Fischportrait Hecht
Der Hecht
Der Hecht (Esox lucius), bekannt als der ultimative Raubfisch in den Gewässern, fasziniert Angler und Naturliebhaber gleichermaßen. Mit seinen scharfen Zähnen und seinem geschickten Jagdverhalten thront er unangefochten an der Spitze der Nahrungskette und beherrscht Süß- und Brackwassergewässer auf der ganzen Welt.
Der Hecht ist doof. Der Hecht ist klug. Was soll das heißen? Das bedeutet, dass der Hecht im Grunde unberechenbar ist. Und so ist auch das Angeln auch Hechte.
An manchen Tagen beißen die Raubfische wie verrückt, folgen dem Köder bis kurz vor den Angler, schnappen mehrfach nach dem Köder, verpassen den Haken und beißen sogar wieder zu, wenn man den Köder erneut auswirft. Ziemlich „doof“.
Und an manchen Tagen muss man die Hechte suchen, sie mit der richtigen Köderfarbe, der optimalen Köderführung reizen und dann vielleicht fangen. Das ist ziemlich „klug“.
Das sind die berüchtigten Beissphasen des Hechts, die auch erfahrene Angler regelmäßig wahnsinnig machen. Manchmal beißen Hechte eben sofort, mehrmals und enorm aggressiv auf Köder, was an das Umlegen eines Schalters erinnert. Im Gegensatz dazu beißen sie manchmal mehrere Tage nicht einmal, obwohl die Witterungsbedingungen perfekt sind.
Lebensraum des Hechtes
Hechte findest du überall in Seen und Flüssen der gesamten Nordhalbkugel, generell im Süßwasser. Aber auch im Brackwasser fühlt der Räuber sich wohl, deshalb sind auch der Bodden oder andere etwas „süßeren“ Bereiche der Ostsee ein optimales Hechtgewässer. Im Sommer sollte die Wassertemperatur für Hechtgewässer nicht über 20 Grad ansteigen, sonst kommt sogar der Esox ins “Schwitzen” und will nicht mehr viel machen. Besonders gern mag der Lauerjäger Gewässer mit vielen Unterwasserpflanzen und Schilfgürteln. Dort stehen vor allem die kleinen Exemplare das ganze Jahr und warten auf Beute – meist Weißfische und Barsche. Im Frühjahr und Frühsommer sind aber auch die großen Hechte dort zu finde, da sie sich dort zum Laichen aufgehalten haben und erst nach und nach in die tieferen Bereiche abwandern. Größere Hechte fressen im Grunde alle Fische, auch kleinere Artgenossen und sind in tieferen Gewässern die meiste Zeit im Freiwasser unterwegs, speziell im Sommer auf der Tiefe der sogenannten Sprungschicht. Die Sprungschicht ist einfach gesagt der Bereich in dem ein starker Temperaturunterschied im Sommer entsteht, zwischen dem kalten, sauerstoffreichen „Tiefenwasser“ und dem wärmeren, sauerstoff- und nährstoffärmeren „Oberflächen“ Wasser. Bei Gewässern über 10 Meter Tiefe ist die Sprungschicht meist im Bereich zwischen 6 und 10 Metern. Wer mit elektronischen Hilfsmitteln auf dem Boot unterwegs ist, kann sich diesen Bereich und damit die Tiefe sogar anzeigen lassen.
Ebenso kannst du Hechte in Fließgewässern nachstellen, wobei hier die Jagdplätze nicht zwingend die Standplätze sind. Hechte findest generell überall: Baggerseen, Alpenseen, Staugewässern, Bächen, Flüssen, Bodden und vieles mehr. Somit ist er neben dem Barsch einer der verbreitetsten Fischarten im Süßwasser.
Lebensweise des Hechtes
Der Hecht ist ein geduldiger Jäger, der sich hauptsächlich von anderen Fischen ernährt. Er lauert in der Nähe von Unterwasserpflanzen und anderen Verstecken, bevor er blitzschnell zuschlägt, um seine Beute zu fangen. Größere Hechte ziehen oft ins offene Wasser, um größere Beutetiere zu jagen, während kleinere Exemplare sich in flachen, bewachsenen Bereichen verstecken, um sich vor größeren Raubtieren zu schützen.
Hechte als Kannibalen
Hechte sind bekannt dafür, kannibalistisch zu sein, insbesondere wenn sie jung sind und um begrenzte Ressourcen konkurrieren. Dies bedeutet, dass kleinere Hechte oft als Beute für größere Hechte enden können. Angler sollten dies berücksichtigen, wenn sie Köder verwenden, die kleine Fische imitieren, da sie möglicherweise auch größere Hechte anlocken können.
Merkmale des Hechtes
Der Hecht zeichnet sich durch seinen langgestreckten Körper und seinen großen Kopf aus, der fast ein Drittel seiner Gesamtlänge ausmacht. Er besitzt scharfe Zähne und eine kräftige Rückenflosse, die ihn zu einem effizienten Jäger machen. Seine Färbung variiert je nach Lebensraum und kann von grünlich bis grau oder sogar silbrig sein, wodurch er sich perfekt in seine Umgebung tarnt. Seine Maul Form wird oft mit einem Entenschnabel verglichen. Er besitzt ein endständiges Maul, also beide Kiefer (Ober/Unter) sind gleich lang.
Größe, Gewicht, Alter des Hechtes
Hechte können beträchtliche Größen erreichen, wobei kapitale Exemplare Längen von bis zu 1,4 Metern erreichen können. Im Durchschnitt werden sie jedoch etwa 70 bis 80 Zentimeter lang. Ihr Gewicht variiert je nach Alter und Lebensraum, wobei große Exemplare oft mehrere Kilogramm wiegen können. Die Lebenserwartung von Hechten liegt in der Regel zwischen 10 und 15 Jahren, wobei einige Individuen sogar noch länger leben können.
Vermehrung des Hechtes
Die Fortpflanzung des Hechtes erfolgt im Frühjahr, wenn die Wassertemperaturen steigen. Die Weibchen legen ihre Eier an Unterwasserpflanzen oder anderen Substraten im Flachwasser ab, wo sie von den Männchen besamt werden. Die Larven schlüpfen nach einer Inkubationszeit von einigen Tagen bis Wochen und ernähren sich zunächst von Zooplankton, bevor sie sich später zu räuberischen Jungfischen entwickeln.
Verhaltensänderungen während der Laichzeit
Während der Laichzeit im Frühjahr verändert sich das Verhalten der Hechte dramatisch. Sie ziehen in flachere Gewässer und suchen nach geeigneten Laichplätzen, wo sie ihre Eier ablegen können. Angler, die zu dieser Zeit angeln, sollten darauf achten, die Laichplätze zu meiden, um die Fische nicht zu stören und ihre Fortpflanzung nicht zu beeinträchtigen.
Angeln auf Hecht
Hechte zu angeln gehört quasi oft zum ersten Ziel eines frischgebackenen Anglers. Esox ist der Inbegriff des Raubfischs, er kann massive Größen erreichen und wilde Kämpfe liefern, zudem schmeckt er auch gut. Der Fang eines Hechtes ist für Einsteiger ein besonderes Erlebnis und manchmal lässt diese Faszination nie nach. Da es beim Hechtangeln nicht zwingend technische Finesse benötigt, ist er eben ein „einfacher“ Fisch für die ersten Angelerlebnisse. Es gibt viele Angler, die den Hecht zu ihrem Hauptzielfisch machen, weil er überall anzutreffen ist und eine abwechslungsreiche, aktive Angelei bietet.
Schonung von großen Exemplaren
Das Schonen großer Hechte ist entscheidend für die langfristige Gesundheit einer Population. Große Hechte sind die besten Reproduzenten und tragen wesentlich zur Fortpflanzung und zum Erhalt der Population bei. Der er als Kannibale seine Artgenossen ebenso reduziert wie andere Fischarten, sorgt er für ein gutes Gelichgewicht im Gewässer und beugt der Verbuttung (geringes bis eingestelltes Wachstum auf Grund von Überpopulation) anderer Arten vor. Da sich die Anzahl der Eier und auch die Qualität und somit die Anzahl schlüpfender Junghechte nach Körpergewicht und Alter richtet, sind die großen und alten Fische entsprechend wichtig. Angler sollten daher große Exemplare sorgfältig behandeln und sie nach dem Fang schonend zurücksetzen, um sicherzustellen, dass sie weiterhin zur Fortpflanzung beitragen können. Aus diesem Grund ist z.B. in Holland die Entnahme des Hechtes in sehr vielen Gewässern grundsätzlich untersagt.
Anpassung an verschiedene Wetterbedingungen
Hechte sind sehr anpassungsfähige Fische und können in einer Vielzahl von Umgebungen und Wetterbedingungen überleben. Während sie sich im Sommer in tiefere Gewässer zurückziehen, um der Hitze zu entkommen, können sie im Winter in flacheren Gewässern gefunden werden, wo die Wassertemperaturen stabiler sind. Angler sollten ihre Taktik entsprechend anpassen, um die besten Chancen auf einen erfolgreichen Fang zu haben.
Jahreszeiten
Hechtschonzeit ist bei uns in Bayern von Mitte Februar bis Ende April. Man kann sie im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter gut fangen. Es geht immer nur um die richtige Angelmethode und Köderführung.
Verhalten des Hechtes im Frühjahr
Im Frühjahr erwachen die Hechte aus ihrer Winterstarre und werden wieder aktiver. Sie ziehen in flachere Gewässer und beginnen mit der Fortpflanzung. Das Angeln auf Hecht im Frühjahr kann besonders erfolgversprechend sein, da die Fische nach der Laichzeit hungrig sind. Vor allem die Weibchen nehmen bis nach der Eiablage keine Nahrung zu sich, und somit sind sie leichter zu verführen, wenn sie gierig ihre Kraftreserven wieder auffüllen. Kleine Köder bis 10 cm oder Oberflächenköder sind jetzt die beste Wahl, um Hechte im Frühjahr erfolgreich zu fangen.
Verhalten des Hechtes im Sommer
Im Sommer neigt der Hecht dazu, sich in tiefere Gewässerbereiche zurückzuziehen, um der „Hitze“, also dem zu warmen Oberflächenwasser, zu entkommen. Er bevorzugt kühlere Temperaturen und ist in dieser Jahreszeit vor allem in der Nähe von Strukturen wie Unterwasserpflanzen, Felsen oder anderen Unterschlüpfen zu finden. Das Angeln auf Hecht im Sommer erfordert daher oft eine gezielte Suche nach den bevorzugten Standplätzen des Fisches. Es gilt das Gewässer gut zu kennen oder viel Strecke zu Fuß oder mit dem Boot zu machen. Wenn die Wassertemperatur über 20°C steigt ist in flachen Gewässern meist nichts mehr mit Hechtangeln. Es empfiehlt sich dann einen anderen Zielfisch wie den Barsch zu wählen, sofern im Gewässer vorhanden.
Verhalten des Hechtes im Herbst
Im Herbst bereiten sich die Hechte auf den Winter vor und fressen verstärkt, um Reserven anzulegen. Sie ziehen sich in tiefere Gewässer zurück und suchen nach Beute. Das Angeln auf Hecht im Herbst kann daher sehr produktiv sein, da die Fische besonders aktiv und leichter zu fangen sind. Köder, die große Beutefische imitieren, können hierbei besonders effektiv sein, um Hechte im Herbst anzulocken. Es ist die beste Zeit die „big baits“ auszupacken und mit schwerem Gerät zu werfen. Wer es auf kapitale Hechte beim Spinnfischen oder Fliegenfischen abgesehen hat, hat jetzt die besten Chancen. Je nach Witterung geht diese Phase von Ende September bis Ende November.
Verhalten des Hechtes im Winter
Im Winter zieht sich der Hecht in tiefere Gewässer zurück, wo die Wassertemperaturen stabiler sind. Er wird träge und bewegt sich nur langsam, um Energie zu sparen. Das Angeln auf Hecht im Winter kann herausfordernd sein, da die Fische weniger aktiv sind und sich schwerer fangen lassen. Geduld und Ausdauer sind hierbei entscheidend, um einen erfolgreichen Fang zu erzielen. Wer gerne „dead bait fishing“ betreibt, also das Angeln mit Köderfisch, der hat im Winter sehr gute Chancen, denn der Angelplatz lässt mit Anfüttern von Fischfetzen über mehrere Tage vorbereiten.
Hechtangeln - Ausrüstung und Angelarten
Hier will ich nur einen kurzen Überriss der Bestandteile geben um einen ersten Eindruck zu vermitteln.
Die richtige Ausrüstung ist entscheidend für den Erfolg beim Hechtangeln, wobei robuste Ruten, Rollen und Schnüre verwendet werden sollten, um auch größere Exemplare sicher landen zu können. Verschiedene Köder wie Gummiköder, Wobbler, Metallköder und Köderfische werden beim Hechtangeln eingesetzt, wobei die Wahl des richtigen Köders vom jeweiligen Angelplatz und den örtlichen Bedingungen abhängt.
Zum Hechtangeln werden verschiedene Zubehörteile benötigt, um erfolgreich zu sein und sich vor den scharfen Zähnen der Fische zu schützen. Dazu gehören unter anderem ein großer Kescher, eine stabile Zange zum Hakenlösen und ein Angelhandschuh, um Verletzungen zu vermeiden. Ein hechtsicheres Vorfach, das man am besten immer bei Raubfischangeln verwendet, da der Hecht in fast allen Gewässern vorkommt, sollte auf jeden Fall mit 30 bis 50 cm Länge vor dem Köder angebracht sein. Das vermeidet Schnurbrüche während des Drills und man kann den Fisch sicher landen, ohne ihn mit einem Köder im Maul zu verlieren, der ihm eventuell das Leben kostet.
Spinnfischen auf Hecht
Beim Spinnfischen auf Hecht werden spezielle Kunstköder wie Gummifische, Wobbler oder Blinker eingesetzt, die durch geschickte Animation die Aufmerksamkeit des Hechtes erregen. Rute und Rolle sollten immer zur Angeltechnik passen um die Präsentation der jeweiligen Köder entsprechend effektiv zu machen. Das Spinnfischen auf Hecht ist aber weniger technisch anspruchsvoll als das Angeln auf andere Räuber wie vor allem den Zander. Die meisten Hechtköder spielen schon attraktiv genug wenn man sie einfach „ein leiert“ also mit konstanter Geschwindigkeit ein kurbelt.
Fliegenfischen auf Hecht
Beim Fliegenfischen auf Hecht werden große Streamer-Fliegen verwendet, die das Beuteschema des Hechtes imitieren. Diese Fliegen werden mit einer passenden Fliegenrute (min. Schnurklasse #8) und einer passenden Fliegenschnur geworfen und durch geschickte Führung im Wasser präsentiert. Das Fliegenfischen auf Hecht erfordert eine ausgereifte Wurftechnik und ein gutes Gespür für die Bewegungen des Köders im Wasser, kann aber äußerst belohnend sein, wenn ein großer Hecht anbeißt.
Schleppangeln auf Hecht
Das Schleppen auf Hechte ist auch nicht jedermanns Sache – ich mag es zum Beispiel gar nicht –, aber du kannst beim Schleppen kapitale Exemplare fangen. Voraussetzung hier ist ein Gewässer, das groß genug ist, die passenden (Schlepp-) Ruten, entsprechende Rutenhalter und natürlich ein Boot (und jemand, der Bock auf Rudern hat). Wo es erlaubt ist, sind weitere Hilfsmittel mit Downrigger oder Sideplaner gute Helfer den Köder dort hinzubekommen, wo der Fisch sich vermuten lässt. In den meisten Gewässern in unserer Region sind beide Hilfsmittel nicht erlaubt. Also immer gut informieren was am jeweiligen Gewässer erlaubt ist.
Das Schleppen wird meist von Bootseignern praktiziert, da schon allein ein geeigneter Rutenhalter bei Leihbooten in der Regel nicht vorhanden ist und ein anbringen des eigenen oft eher schwierig.
Hecht zubereiten
Wie soll ich sagen: Hecht schmeckt gut. Bis vor einigen Jahren war eine klare Fischsuppe mit Hechtklösschen als Einlage auf vielen Speisekarten regionaler Restaurants zu finden. Im Prinzip kann man den Hecht zubereiten wie jeden anderen Fisch auch. Als Steak, im Curry, als Filet oder auch als Hechtpflanzerl oder Hecht-Leberkäse, für die Liebhaber unserer bayrischen Küche. Die meisten wählen wohl eine Variante bei der die störenden Y-Gräten des oberen Rückenbereiches entfernt sind. Fischessen und dabei Gräten aus dem Mund ziehen zu müssen ist den meisten Leuten zu „umständlich“. Das Filettieren von Hechten ist nicht so einfach wie bei Salmoniden, auf Grund der Y-Gräten aber auch dies lässt sich mit Anleitung einfach erlernen. Wer Klösschen, Pflanzerl oder Leberkäse im Visier hat, nutz den Fleischwolf und hat weiter keinen Arbeitsaufwand mit den störenden Gräten, genau wie bei anderen Fischpflanzerln.
Fazit
Alles in allem macht es sehr viel Spaß auf Hecht zu Angeln. Vor allem, weil du dir die Pirsch auf Esox lucius so abwechslungsreich gestalten kannst, wie du möchtest. Und denk immer daran: drei Hechte mit 33 cm sind auch fast ein Meterhecht. :-)
Petri! Euer Wennaël Würmli